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  • Wiebke Zapkau

    Schulungen in "Orientierung und Mobilität"(O&M) und in "Lebenspraktischen Fähigkeiten" (LPF) für Sehbehinderte und Blinde im Großraum Kassel.


    Berichte von ehemaligen Schulungsteilnehmern

    Walburga H. (Erstschulung):

    Mach mit – so wird man fit

    Nachdem die Augenärzte eine Netzhautablösung und Verlust der Sehkraft diagnostiziert hatten, wurde mir klar, dass ich für mich die Selbständigkeit bewahren muss.

    So habe ich ein Langstocktraining absolviert, damit ich weiter am gesellschaftlichen Leben als Blinde teilnehmen kann. Es war zuerst nicht einfach, aber die Zeit hat mir gezeigt, sofern man mitmacht, wird der Blinde Fähigkeiten entdecken, sich selbst zu orientieren.

    Ich habe gelernt, mit dem Langstock umzugehen und mich zu orientieren.

    Nun kann ich selbständig einkaufen gehen, an Veranstaltungen teilnehmen und was sehr wichtig ist: Jeder hilft mir in jeder Situation. Bedingt durch den Blindenlangstock wird jeder auf meine Situation aufmerksam.

    Es heißt hier: mitmachen – fit bleiben und dadurch am gesellschaftlichen Leben teilnehmen.

    Erika R. (Folgeschulung):

    Irgendwie kommt man immer ans Ziel, wenn man sich als blinder Mensch einen unbekannten Weg vornimmt. Mit fünfmal Fragen, im Zweifelsfall indem man Passanten um eine Strecke Geleit bittet – aber befriedigend ist das nicht. Dieses „Irgendwie“ strengt an. Verständnisvolle Freunde sind u.U. gern bereit, ein Stück Weg zu zeigen. Aber natürlich haben sie normalerweise nicht gelernt, markante Punkte aufzuspüren, an denen sich ein blinder Mensche orientieren kann, die aber für einen Sehenden völlig belanglos sind.

    Da ist es ein Glück, dass es ausgebildete Rehabilitationslehrer/innen für Orientierung und Mobilität gibt, die genau in dieser Hinsicht geschult sind. „Den Hauseingang finde ich nie“, dachte ich. Aber siehe da: Direkt vor besagtem Hauseingang befand sich an der Bürgersteigkante ein Metallrost, der wohl zum Abfluss des Regenwassers dienen solle. Mit dem Stock war er gut spürbar und somit der Hauseingang gut zu finden.

    Und noch etwas: Gerade, wenn ich als Blinde täglich auf mich allein gestellt bin, immer schauen muss, dass ich irgendwie alles manage, ist es eine Wohltat zu wissen: Die Rehalehrerin ist für mich da, nimmt meine Probleme ernst, hat Verständnis für Schwierigkeiten, die auftreten, und gute Ideen, damit umzugehen. Ein bisschen Korrektur ab und an kann zudem nicht schaden. Denn oft schleichen sich im Alltag Gewohnheiten ein, die man selbst gar nicht merkt, die aber wenig verkehrstauglich oder, im schlimmeren Fall, gar gefährlich sein können.

    Es wäre gut, wenn die Krankenkassen immer einmal wieder einige Stunden „Auffrischungstraining“ bezahlen würden! Wie kräftig verändern sich Innenstädte! Von den Geschäften, die ich mir vor fünf Jahren notiert und eingeprägt habe, ist heute gerade mal noch die Hälfte vorhanden!

    Schließlich möchte man ja nicht nur das allernötigste kennen, sondern ist doch auch neugierig, was es so alles in der eigenen (näheren und weiteren!) Umgebung gibt.

    Eine gute Rehabilitationslehrerin hat schnell den Blick dafür, was ihre Trainingspartnerin interessiert, was sie braucht und was sie freut!

    Stella K. (Erstschulung)

    Ich bin 41 Jahre alt. Bis vor drei Jahren war ich als Angestellte tätig. Durch personelle und andere Veränderungen konnte ich aufgrund der Sehbehinderung beruflich nicht mehr mithalten und bin seit zweieinhalb Jahren Rentnerin.

    Da eine Beraterin des Blindenbundes aus Kassel ca. einmal im Vierteljahr in meinem Wohnort Sprechstunden anbietet, nahm ich dieses Angebot vor einem halben Jahr wahr. Sie machte mich auf die Schulung in Orientierung und Mobilität aufmerksam und riet mir dazu. Da ich bisher ein „normales“ Leben mit Regelschule, Beruf und Familie geführt hatte, fand ich eine derartige Schulung im Allgemeinen zwar sinnvoll, aber für mich nicht geeignet, da ich zwar ein stark eingeschränktes Gesichtsfeld habe, aber noch über 20% Sehkraft verfüge. Die Beraterin der Blindenbundes gab mir einen Flyer von Frau Zapkau mit. Trotz meiner Skepsis sprach ich beim nächsten Termin meinen Augenarzt darauf an, der mich schon seit ca. 30 Jahren kennt. Ich war überrascht, dass er mir ebenfalls zu einer Mobilitätsschulung riet und mir ein Rezept für zwei Langstöcke und die Schulung ausstellte.

    Ich setzte mich mit Frau Zapkau in Verbindung. Die Krankenkasse genehmigte Stöcke und Schulung und so starteten wir Anfang August 2008. Zunächst lernte ich, den Stock richtig zu halten und damit auf einem wenig genutzten Fußweg zu gehen. Später wagten wir uns in die Fußgängerzone. Zur Zeit üben wir das Verhalten auf Bahnhöfen.

    Im Umgang mit dem Stock fühle ich mich nun sicher und empfinde diese Schulung als sehr angenehm: Es ist eine schöne Erfahrung, mich mit Hilfe des Stocks auf meine anderen Sinne verlassen zu können und die Augen nicht zu überanstrengen.

    Auch zeige ich hiermit deutlich nach außen, dass ich ein Sehproblem habe. Menschen, denen ich begegne, reagieren rücksichtsvoller, was mir wiederum mehr Sicherheit gibt.

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